IP-Netzwerke verstehen und konfigurieren
Von Binärdarstellung über DHCP bis zu Subnetzmasken - verstehen und konfigurieren Sie IP-Netzwerke in Theorie und Praxis
- Sie koennen erklaeren, wie IPv4-Adressen binaer aufgebaut sind und wie viele Adressen theoretisch moeglich sindVerstehen
- Sie koennen den Unterschied zwischen IPv4 und IPv6 erklaeren und begruenden, warum IPv6 eingefuehrt wurdeVerstehen
- Sie koennen die Funktion eines DHCP-Servers erklaeren und dessen Vorteile gegenueber manueller IP-Vergabe benennenVerstehen
- Sie koennen einen DHCP-Server in Filius konfigurieren und testenAnwenden
- Sie koennen anhand von IP-Adresse und Subnetzmaske bestimmen, ob zwei Computer im gleichen Netzwerk sindAnalysieren
- Sie koennen zwei getrennte Subnetze in Filius aufbauen und die Kommunikation zwischen und innerhalb der Netze testenAnwenden
In diesem Modul lernen Sie die fundamentalen Konzepte von IP-Adressen und Netzwerkkonfiguration kennen - von der binären Darstellung bis zur praktischen Anwendung in Filius.
Sie verstehen, wie IPv4 und IPv6 funktionieren, wie die automatische IP-Adressvergabe durch DHCP arbeitet und wie Subnetzmasken Netzwerke segmentieren.
Die theoretischen Grundlagen werden durch praktische Übungen in Filius vertieft.
IPs = Logische Adressen im Internet
Die logische Adresse (IP) ist flexibel und erlaubt Gruppierungen oder einen flexiblen Austausch von Geräten.
Aber: Die Zuweisung ist für eine bestimmte Zeit eindeutig.
Analogie:
- Ihre e12345 Nummer an der Schule
- Oder: Postadresse (Strasse, Hausnummer, Stadt)
Challenge
IPv4-Adressen in Binärdarstellung
Eine IPv4 besteht aus 4 Bytes, das sind 32 Bits.
4 × 8 = 32 Bit für eine IPv4
Frage: Wie viele unterschiedliche IPs gibt es?
Anzahl möglicher IPv4-Adressen
Mit 32 Bits können wir berechnen:
232 ≈ 4 Milliarden verschiedene IP-Adressen
Problem: Ende 2011 sind uns die IPv4-Adressen ausgegangen!
Es gibt einfach zu viele Geräte auf der Welt (Smartphones, Computer, IoT-Geräte, etc.)
Note
Die Lösung: IPv6
Um das Problem zu lösen, wurde IPv6 eingeführt:
- Besteht aus 128 Bits (statt 32 Bits)
- Funktioniert ansonsten ähnlich wie IPv4
- Hexadezimale Schreibweise (Zahlen und Buchstaben)
2128 ≈ 340.282.366.920.938.463.463.374.607.431.768.211.456
Das sind so viele Adressen, dass jedes Sandkorn auf der Erde eine eigene IP-Adresse bekommen könnte! 🏖️
Was ist DHCP?
DHCP steht fuer Dynamic Host Configuration Protocol - ein Protokoll zur automatischen Vergabe von IP-Adressen in einem Netzwerk.
Das Problem ohne DHCP
Stellen Sie sich vor, Sie muessen in einem Netzwerk mit 100 Computern jedem Geraet manuell eine IP-Adresse zuweisen:
- Sie muessen sich merken, welche Adressen schon vergeben sind
- Sie muessen jeden Computer einzeln konfigurieren
- Bei Aenderungen (z.B. neuer IP-Bereich) muessen Sie alle Geraete neu konfigurieren
- Fehler passieren schnell (z.B. doppelte IP-Adressen)
Die Loesung: DHCP-Server
Ein DHCP-Server vergibt automatisch IP-Adressen an alle Geraete im Netzwerk:
- Ein neues Geraet verbindet sich mit dem Netzwerk
- Es sendet eine Anfrage: "Ich brauche eine IP-Adresse!"
- Der DHCP-Server antwortet: "Nimm 192.168.1.50, Subnetzmaske 255.255.255.0"
- Das Geraet konfiguriert sich automatisch
Praxis-Beispiel: Wenn Sie Ihr Smartphone mit dem WLAN verbinden, erhaelt es automatisch eine IP-Adresse vom Router (der als DHCP-Server fungiert).
DHCP in Filius einrichten
Jetzt bauen wir ein Netzwerk mit automatischer IP-Vergabe!
Schritt 1: Netzwerk-Topologie erstellen
- Oeffnen Sie Filius
- Erstellen Sie einen Switch (Verteiler)
- Fuegen Sie 5 Rechner hinzu und verbinden Sie diese mit dem Switch
Schritt 2: DHCP-Server konfigurieren
- Waehlen Sie den ersten Rechner aus (dieser wird der Server)
- Geben Sie ihm eine feste IP-Adresse:
- IP-Adresse:
192.168.1.1 - Subnetzmaske:
255.255.255.0
- IP-Adresse:
- Klicken Sie auf "Software installieren"
- Installieren Sie "DHCP-Server"
- Starten Sie den DHCP-Server
- Konfigurieren Sie den Adresspool:
- Untere Grenze:
192.168.1.10 - Obere Grenze:
192.168.1.50 - Subnetzmaske:
255.255.255.0
- Untere Grenze:
Schritt 3: Clients automatisch konfigurieren
- Waehlen Sie Rechner 2
- Aktivieren Sie "Automatische Konfiguration" (DHCP)
- Starten Sie den Simulationsmodus (Play-Button)
- Beobachten Sie: Der Rechner erhaelt automatisch eine IP-Adresse!
- Wiederholen Sie das fuer die anderen Rechner
Challenge
DHCP testen
Jetzt pruefen wir, ob die automatische Konfiguration funktioniert:
- Oeffnen Sie auf Rechner 2 die Kommandozeile
- Geben Sie ein:
ipconfig - Sie sehen jetzt die automatisch zugewiesene IP-Adresse (z.B. 192.168.1.10)
- Testen Sie die Verbindung zum Server:
ping 192.168.1.1 - Testen Sie die Verbindung zu einem anderen Client:
ping 192.168.1.11
Wenn Antworten kommen, funktioniert Ihr DHCP-Netzwerk! 🎉
Subnetze und Netzmasken
Netzwerke werden in Subnetze unterteilt - das sind Gruppen von Computern, die direkt miteinander kommunizieren können.
Analogie: Eine Strasse mit Hausnummern
- Die Strasse = Subnetz (z.B. 192.168.0.x)
- Die Hausnummer = Host-Teil (z.B. .33)
Alle Geräte in einem Subnetz können sich direkt ansprechen - ohne Router!
Subnetze werden mit Hilfe von Netzmasken gebildet.
Netzmasken verstehen
Die Netzmaske bestimmt, wie viele Stellen (von links gezählt) übereinstimmen müssen, damit zwei IPs zum selben Subnetz gehören.
Beispiel:
In Binärdarstellung:
Die roten Stellen (wo die Netzmaske 1 ist) müssen übereinstimmen!
Challenge
Übung: Netzmaske anwenden
Aufgabe: Befinden sich die beiden IP-Adressen im gleichen Subnetz?
Computer A:
Netzmaske: 255.255.255.0
Computer B:
Netzmaske: 255.255.255.0
Arbeitsauftrag: Diskutieren Sie zu zweit:
- Wandeln Sie beide IP-Adressen in Binärdarstellung um (oder schauen Sie nur die ersten 3 Zahlenblöcke an)
- Vergleichen Sie mit der Netzmaske: Stimmen die markierten Stellen überein?
- Können die beiden Computer direkt kommunizieren?
Lösung: Netzmaske-Übung
Computer A:
11000000.10101000.00000000.00100001
Computer B:
11000000.10101000.00000000.00110010
Netzmaske:
11111111.11111111.11111111.00000000
✅ JA - Die ersten 24 Bits (rot markiert) stimmen überein!
Beide Computer sind im Subnetz 192.168.0.x und können direkt miteinander kommunizieren.
Subnetzmasken verstehen
Die Subnetzmaske bestimmt, welcher Teil einer IP-Adresse das Netzwerk identifiziert und welcher Teil den einzelnen Computer (Host).
Beispiel: 255.255.255.0
Diese Subnetzmaske (auch als /24 geschrieben) bedeutet:
- Erste 3 Zahlenblöcke = Netzwerk-Adresse
- Letzter Zahlenblock = Host-Adresse
Praktisches Beispiel:
| IP-Adresse | Netzwerk-Teil | Host-Teil |
|---|---|---|
| 192.168.1.50 | 192.168.1 | 50 |
| 192.168.1.200 | 192.168.1 | 200 |
| 192.168.2.50 | 192.168.2 | 50 |
Frage: Welche Computer sind im gleichen Netzwerk?
✅ 192.168.1.50 und 192.168.1.200 → JA (gleicher Netzwerk-Teil: 192.168.1)
❌ 192.168.1.50 und 192.168.2.50 → NEIN (unterschiedliche Netzwerk-Teile)
Note
Wieviele Computer passen in ein Netzwerk?
Bei der Subnetzmaske 255.255.255.0 kann der letzte Block Werte von 0-255 annehmen.
Aber: Zwei Adressen sind reserviert:
- Netzwerk-Adresse (z.B. 192.168.1.0) - identifiziert das gesamte Netzwerk
- Broadcast-Adresse (z.B. 192.168.1.255) - sendet an alle Geraete im Netzwerk
Berechnung:
- Moegliche Werte: 0-255 = 256 Adressen
- Minus Netzwerk-Adresse: -1
- Minus Broadcast-Adresse: -1
- = 254 verwendbare IP-Adressen
In einem 192.168.1.x Netzwerk können also 254 Computer verbunden werden (192.168.1.1 bis 192.168.1.254).
Challenge
Uebung: Sind diese Computer im gleichen Netzwerk?
Entscheiden Sie fuer jedes Paar, ob die Computer miteinander kommunizieren koennen (ohne Router):
Beispiel 1
- Computer A:
192.168.1.45/255.255.255.0 - Computer B:
192.168.1.120/255.255.255.0
Loesung: ✅ JA - Beide haben den Netzwerk-Teil 192.168.1
Beispiel 2
- Computer A:
192.168.1.45/255.255.255.0 - Computer B:
192.168.2.45/255.255.255.0
Loesung: ❌ NEIN - Unterschiedlicher Netzwerk-Teil (192.168.1 vs. 192.168.2)
Beispiel 3
- Computer A:
10.0.0.15/255.255.255.0 - Computer B:
10.0.0.200/255.255.255.0
Loesung: ✅ JA - Beide im Netzwerk 10.0.0.x
Beispiel 4
- Computer A:
172.16.5.10/255.255.255.0 - Computer B:
172.16.6.10/255.255.255.0
Loesung: ❌ NEIN - Unterschiedliche Netzwerke (172.16.5 vs. 172.16.6)
Challenge
Filius-Challenge: Zwei getrennte Netzwerke
Jetzt wenden Sie Ihr Wissen praktisch an! Erstellen Sie zwei voneinander getrennte Netzwerke.
Aufgabenstellung
Bauen Sie folgende Netzwerk-Topologie:
- Netzwerk A:
- 1 Switch
- 1 DHCP-Server (192.168.1.1)
- 3 Clients (automatische IP-Vergabe)
- IP-Bereich: 192.168.1.10 - 192.168.1.50
- Netzwerk B:
- 1 Switch
- 1 DHCP-Server (192.168.2.1)
- 3 Clients (automatische IP-Vergabe)
- IP-Bereich: 192.168.2.10 - 192.168.2.50
Wichtig: Die beiden Netzwerke sind nicht verbunden (keine Kabel zwischen den Switches)!
Tests durchfuehren
Nachdem Sie beide Netzwerke aufgebaut haben, fuehren Sie folgende Tests durch:
Test 1: Kommunikation innerhalb Netzwerk A
- Oeffnen Sie die Kommandozeile auf einem Client in Netzwerk A
- Finden Sie die IP-Adresse heraus:
ipconfig - Pingen Sie einen anderen Client im gleichen Netzwerk:
ping 192.168.1.11
Erwartetes Ergebnis: ✅ Ping erfolgreich - Computer im gleichen Netz koennen kommunizieren
Test 2: Kommunikation zwischen Netzwerk A und B
- Bleiben Sie auf dem Client in Netzwerk A
- Versuchen Sie, einen Computer in Netzwerk B zu erreichen:
ping 192.168.2.11
Erwartetes Ergebnis: ❌ Ping fehlgeschlagen - Computer in verschiedenen Netzen koennen nicht direkt kommunizieren
Test 3: Kommunikation innerhalb Netzwerk B
- Wechseln Sie zu einem Client in Netzwerk B
- Pingen Sie einen anderen Client in Netzwerk B:
ping 192.168.2.12
Erwartetes Ergebnis: ✅ Ping erfolgreich
Fazit: Sie haben erfolgreich zwei getrennte Subnetze erstellt! Computer koennen nur innerhalb ihres eigenen Netzwerks kommunizieren.
Note
Ausblick: Router verbinden Netzwerke
Sie haben jetzt gelernt, dass Computer in verschiedenen Subnetzen nicht direkt miteinander kommunizieren koennen.
Die Loesung: Ein Router kann verschiedene Netzwerke miteinander verbinden!
Im naechsten Modul "Router und Routing" lernen Sie:
- Wie Router funktionieren
- Wie Sie die beiden Netzwerke mit einem Router verbinden
- Wie Routing-Tabellen funktionieren
Dann werden Ihre Computer aus Netzwerk A auch mit Computern in Netzwerk B kommunizieren koennen! 🚀