Überquerung der Latte – Flop-Technik

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Bevorstehend

Rückenlage über der Latte: Körperbogenform, Lattenquerung und Landung beim Fosbury Flop.

Ziele dieses Moduls
  • Sie können die Bewegungssequenz der Lattenquerung beim Fosbury Flop beschreiben.
    Verstehen
  • Sie können den Körperbogen bewusst einnehmen und in Übungsformen anwenden.
    Anwenden

Nach dem Absprung beginnt die Flugphase. Die charakteristische Rückenbogenform des Fosbury Flop ermöglicht es, die Latte zu überqueren, ohne den Körperschwerpunkt über die Lattenhöhe anheben zu müssen. In diesem Modul lernen Sie die Technik der Lattenquerung kennen und üben die Einzelelemente.

Aufbaureihe: Flugphase und Lattenquerung erlernen

Die Flugphase wird zunächst vollständig ohne Anlauf und ohne Latte geübt. Das nimmt den Druck weg und ermöglicht, sich auf den Körperbogen zu konzentrieren. Reihenfolge einhalten!

Stufe 1 – Brückenposition auf der Matte

Rücklings auf die Matte legen. Hüfte so weit wie möglich nach oben drücken (klassische Brückenposition), Schultern und Füsse am Boden. 5 Sekunden halten. Bewusst spüren: Gesass- und Rückenstrecker sind angespannt. Dieses Gefühl ist die Zielposition über der Latte.

Stufe 2 – Standsprung rückwärts vom Kasten

Auf einem Schwedenkasten (2–3 Elemente) stehen, Rücken zur Matte. Mit knochenmässigem Doppelarmzug abspringen, Hüfte dabei nach oben drücken (Brückenstellung), auf dem Rücken auf der Matte landen. Kopf leicht anheben – nicht in den Nacken drücken!

Stufe 3 – Absprung an der Sprossenwand

Mit dem Rücken zur Sprossenwand stehen (ca. 30 cm Abstand). Beide Hände an einer tiefen Sprosse halten. Aus gebuckter Haltung abspringen und die Überstreckposition (Hüfte hoch) einnehmen, dann gebuckt auf der Matte landen. Schult den Bogen ohne Anlaufdruck.

Stufe 4 – 3-Schritt-Anlauf + Absprung + Rumpfbogen (ohne Latte)

Aus 3-Schritt-Bogenanlauf einbeinig abspringen, halbe Drehung und Rücken zur Matte bringen, Hüfte hochdrücken, auf Rücken landen. Noch keine Latte! Fokus liegt auf der Brückenstellung in der Luft.

Stufe 5 – Gummiseil auf niedriger Höhe

Gummiseil tief gespannt (ca. 60–80 cm). Aus 5-Schritt-Bogenanlauf erste echte Flop-Versuche. Das Seil gibt nach – psychologisch entlastend. Beobachtungsschwerpunkt: Hüfte kommt hoch, Schultern bleiben tief.

Stufe 6 – Latte auf individuell niedrig gewählter Höhe

Erst wenn Stufe 1–5 sitzen: Latte auf einer Höhe, die sicher und ohne Angst übersprungen werden kann. Sukzessiv steigern.

Warning

Häufige Fehler in der Flugphase – und Korrekturen

  • Fehler: Überquerung der Latte in Sitzhaltung (Hüfte bleibt unten, Knie kommen zur Brust)
    Korrektur: Stufen 1 und 2 wiederholen (Brückenposition und Standsprung vom Kasten). Mentalbild: „Hüfte zum Himmel!“
  • Fehler: Kopf wird aktiv in den Nacken gedrückt
    Korrektur: Kopf fällt passiv zurück, nicht aktiv andrücken. Bild: „Der Kopf hängt locker wie eine Brücke“
  • Fehler: Füsse reißen die Latte beim Beinwurf
    Korrektur: Beinwurf kommt erst nach dem höchsten Hüftpunkt. Timing üben: erst Hüfte oben, dann Beine hoch
  • Fehler: Landung auf dem Kopf / Nacken (zu frühes Einrollen)
    Korrektur: Stufe 2 und 3 wiederholen, Kopf beim Landen leicht heben

Note

Differenzierung: Zwei Anlagen aufbauen (Empfehlung mobilesport.ch)

Im Schulunterricht bewährt es sich, zwei Anlagen gleichzeitig aufzubauen:

  • Anlage 1 (tief): Gummiseil auf ca. 60–90 cm – für Übungen, Technikschulung und weniger erfahrene Springende
  • Anlage 2 (höher): Latte auf individuell gewählter Höhe – für erfahrenere Springende oder Wettkampf-Versuche

So können alle Schülerinnen und Schüler gleichzeitig aktiv sein und die Wartezeiten werden minimiert.

Vom Absprung zur Rückenlage

Unmittelbar nach dem Absprung dreht sich der Körper durch die Anlaufkurve und den äusseren Absprung automatisch so, dass der Rücken zur Latte zeigt. Dieser Vorgang nennt sich Längsachsenrotation.

Während der Körper aufsteigt, wird der Rücken zunehmend zur Latte gedreht, bis in der höchsten Phase der Körper vollständig mit dem Rücken nach unten über der Latte liegt.

Der Körperbogen (Arch)

Das Herzstück des Fosbury Flop ist der sogenannte „Arch“: Der Körper formt einen Bogen über der Latte, mit Hüfte und Bauch als höchstem Punkt.

Dabei gelten folgende Prinzipien:

  • Kopf: Fällt entspannt nach hinten – nicht aktiv drücken!
  • Schultern: Werden tief gehalten (unter der Latte)
  • Hüfte: Wird aktiv nach oben gedrückt (Hüftextension)
  • Beine: Hängen noch locker nach unten

Dieser Bogen ermöglicht es, dass der Körperschwerpunkt unterhalb der Latte bleibt, obwohl alle Körperteile die Latte überqueren – ein physikalisches Paradoxon!

Note

Physikalisches Prinzip: Schwerpunkt unter der Latte

Beim Fosbury Flop kann der Körperschwerpunkt bei optimaler Technik unterhalb der Latte verlaufen, während jedes einzelne Körperteil die Latte passiert. Dies ist möglich, weil der Schwerpunkt nicht immer innerhalb des Körpers liegt – er kann bei einem stark gebückten Körper auch ausserhalb liegen. Damit wird weniger Energie benötigt als bei anderen Stilen!

Beinwurf und Landung

Sobald die Hüfte die Latte passiert hat, werden die Beine aktiv nach oben geworfen (Beinwurf). Dies senkt gleichzeitig den Oberkörper ab und verhindert, dass die Füsse die Latte reissen.

Die Landung erfolgt auf dem Rücken und Nacken in der Weichmatte. Wichtig: Den Kopf leicht anheben, um Nackenprellungen zu vermeiden.

Challenge

Aufgabe: Bogenposition üben

Ohne Latte und Absprung üben:

  1. Legen Sie sich rücklings auf die Matte.
  2. Heben Sie die Hüfte so weit wie möglich an (Brückenposition), Schultern und Füsse bleiben am Boden.
  3. Halten Sie die Position 5 Sekunden und spüren Sie die Anspannung der Gesass- und Rückenmuskulatur.
  4. Ziel: Diese Anspannung beim Überqueren der Latte bewusst abrufen.

Checklist

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