Scherensprung – Einstieg in den Hochsprung
Der Scherensprung als erste Hochsprungtechnik: einfach, sicher und ideale Vorbereitung fĂĽr den Fosbury Flop.
- Sie können den Scherensprung mit korrektem Anlauf und einbeinigem Absprung ausführen.Anwenden
- Sie können erklären, warum der Scherensprung als Vorstufe zum Fosbury Flop dient.Verstehen
Bevor der Fosbury Flop erlernt wird, empöhlt es sich, zunächst den Scherensprung zu beherrschen. Er schult den einbeinigen Absprung, den Schwungbeineinsatz und das räumliche Orientierungsvermögen in der Luft. Aus dem Scherensprung lässt sich der Flop methodisch hervorragend aufbauen.
Was ist der Scherensprung?
Beim Scherensprung wird die Latte mit einer Scherenbewegung der Beine ĂĽberquert: Das Schwungbein steigt zuerst hoch ĂĽber die Latte, gefolgt vom Absprungbein. Die Landung erfolgt auf dem Schwungbein.
Der Körper bleibt dabei aufrecht und der Blick ist in Sprungrichtung gerichtet.
- Vorteil: Sehr einfache Technik, intuitiv erlernbar
- Nachteil: Der Körperschwerpunkt muss höher als die Latte gehoben werden – weniger effizient als der Flop
- Didaktischer Nutzen: Ideale Vorstufe, um Absprung und Schwungbein zu schulen
Note
Sprungbein bestimmen
Bevor mit dem Scherensprung begonnen wird, muss das Sprungbein bekannt sein. Einfacher Test: Welches Bein nutzt man instinktiv, um auf einen Kasten zu springen? Das ist das Sprungbein. Das andere Bein ist das Schwungbein.
Faustregel: Rechtshänder springen meist vom linken Bein ab, Linkshandige oft vom rechten.
Aufbaureihe: Vom Sprung zur Technik
Die folgende Aufbaureihe führt schrittweise von einfachen Sprungformen zum vollständigen Scherensprung. Jede Stufe muss sicher beherrscht sein, bevor die nächste begonnen wird.
Stufe 1 – Sprungbein-Schulung ohne Anlage
Frei in der Halle: Aus einem 3-Schritt-Anlauf einbeinig in die Höhe springen. Dabei das Schwungbein explosiv mit gestrecktem Bein nach vorne-oben ziehen (Fussspitze bis auf Augenhöhe). Landung auf dem Sprungbein möglichst nahe beim Absprungpunkt.
Merke: Der Absprung erfolgt über den flachen Fuss – kein harter Fersenaufprall!
Stufe 2 – Schwungbein + Doppelarmzug
Wie Stufe 1, aber beide Arme schwingen gleichzeitig von unten nach oben (Doppelarmzug). Das GefĂĽhl: Als ob man sich an einem unsichtbaren Seil nach oben zieht.
Stufe 3 – Kasten als Zielobjekt
Aus 3-Schritt-Anlauf einbeinig auf einen Schwedenkasten (2–3 Elemente) springen. Das Schwungbein steigt über den Kastenrand, Landung auf dem Schwungbein auf dem Kasten. Dies schult die Scherenbewegung ohne Fallangst.
Stufe 4 – Gummiseil
Gummiseil tief spannen (ca. 60–80 cm). Aus 3-5 Schritt-Anlauf den Scherensprung über das Seil ausführen. Das Seil gibt nach, wenn man es berührt – kein Verletzungsrisiko. Fokus: Rhythmus und saubere Scherenbewegung.
Stufe 5 – Latte auf niedriger Höhe
Scherensprung über eine richtige Hochsprunglatte auf niedriger Höhe (individuell – ca. 70–90 cm je nach Niveau). Anlauf aus 5–7 Schritten, schon leicht kurvenförmig von der Seite.
Challenge
Aufgabe: Sprungbein und Anlaufseite bestimmen
Das Sprungbein bestimmt auch die Anlaufseite:
- Absprung vom linken Bein → Anlauf von rechts (Kurve biegt nach links)
- Absprung vom rechten Bein → Anlauf von links (Kurve biegt nach rechts)
Probieren Sie es aus: Markieren Sie Ihren Startpunkt und testen Sie 3 Anläufe. Fühlt sich die Anlaufseite natürlich an?
Technische Kernpunkte des Scherensprungs
- Anlauf: 5–7 Schritte, leicht von der Seite, letzten 3 Schritte als Bogen (jam-ta-tam)
- Absprung: Letzter Schritt kurz, aktives Aufsetzen auf den flachen Fuss, Abrollbewegung
- Schwungbein: Gestreckt explosiv nach oben, Fussspitze über Lattenhöhe
- Arme: Doppelarmzug nach oben
- Lattenquerung: Schwungbein fĂĽhrt, dann Absprungbein nachziehen (Schere)
- Landung: Auf dem Schwungbein, leicht abfedern
Note
Vom Scherensprung zum Flop
Der Scherensprung ist kein Ziel, sondern ein Lernweg. Sobald Absprung, Schwungbeineinsatz und Anlaufrhythmus (jam-ta-tam) sicher sitzen, werden diese Elemente direkt in die Flop-Technik übertragen. Die wichtigste Übertragung: der gebogene Anlauf mit Kurveninnenneigung ("Töfffahrer-Gefühl") und der kraftvolle Absprung bleiben identisch.